Von Seattle, WA nach Richmond, BC

Tag 16: Seattle, WA – Everett, WA

Freitag, 27. Juli 2007; 76 km – bis jetzt 1.632 km

Aller Anfang ist schwer. Das ist heute nach dieser langen sportlichen Pause deutlich zu spüren. Der Tag beginnt mit einem Frühstück in einer Denny’s – Filiale. Dass ich völlig aus der Übung bin ist dann auf dem Rad gleich zu merken. Immerhin habe ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,6 km/h erreicht. Viel schneller ging es wegen des Verkehrs aber auch nicht.

Die Route führt zunächst entlang des Lake Washington, teilweise auf eigenen Radwegen. Den Rest nach Everett, WA fahre ich auf den Highways 104 und 99 zusammen mit sehr viel Autoverkehr.


Tag 17: Everett, WA – Anacortes, WA

Samstag, 28. Juli 2007; 118 km – bis jetzt: 1,750 km

Nach dem Frühstück habe ich telefonisch in Anacortes, WA ein Hotelzimmer reserviert. Die ersten Hotels, in denen ich anrufe, sind voll belegt und man macht mir nur wenig Hoffnung irgendwo ein freies Zimmer finden zu können, Anacortes sei voll belegt. Im San Juan Motel ist dann doch noch ein Zimmer frei. Das hätte gerade jemand storniert. Um einem eventuellen Verdienstausfall vorzubeugen muss ich meine Kreditkartennummer angeben. Das Zimmer wird mir dann fest zugesagt.

Die Route über Whidbey Island und entlang der Küste nach Anacortes ist etwas hügelig und anstrengend, aber dafür auch abwechslungsreich und bietet einige herrliche Aussichten auf das Meer.

Frustrierend ist die Ankunft am Motel. Das Zimmer ist belegt, ein Ersatz nicht möglich. Einziger Ausweg bleibt der Campingplatz im Washington Park. Dort ist aber auch nur ein winziger Flecken frei, der mir überhaupt nicht gefällt. Auf der Suche nach einer anderen Stelle bietet mir ein kanadisches Paar an, auf ihrem Platz zu zelten. Das habe ich natürlich dankbar angenommen. Überhaupt sind die amerikanischen und kanadischen Camper hier äußerst gastfreundlich. So werden mir fangfrische Krabben angeboten. Sie sind in Butter und Knoblauch gebraten und eine Köstlichkeit. Ich bin in diesen Augenblicken dankbar, vom San Juan Motel versetzt worden zu sein.


Tag 18: Anacortes, WA – Bellingham, WA

Sonntag, 29. Juli 2007; 76 km – bis jetzt: 1.826 km

Der Tag heute verläuft ziemlich ereignislos. Es ist sehr kühl und deshalb habe ich mich dick angezogen. Das sind alles ausgesuchte Kleider. Die passen vom Aussehen vielleicht nicht so richtig zusammen, sind aber für mehrere Zwecke verwendbar, u. a. eben in Kombination bei kaltem Wetter.

Der Weg führt weiter entlang der Küste, ist aber nicht mehr so hügelig wie gestern. Wegen der gestrigen Anstrengungen bin ich heute noch erschöpft und bereits um 15 h im Hotel.

Für das Hotel La Quinta in Bellingham, WA habe ich einen Coupon. Ich bekomme das Zimmer für 69$, statt des stattlichen regulären Preises von 109$. Das Hotel ist auch aus einem anderen Grund erwähnenswert: Es ist das erste Hotel/Motel auf meiner Reise, dessen Frühstücksraum so groß ist, dass es kein morgens kein Gedränge gibt.


Tag 19: Bellingham, WA – Langley, BC

Montag, 30. Juli 2007; 72 km – bis jetzt: 1.898 km

Heute werde ich die USA verlassen, bis zur Grenze sind es nur ein paar Kilometer. Aber wohin in Kanada? Eine wichtige Entscheidungshilfe ist ein Motel-Coupon, den ich zufällig bei mir hatte. Also fahre ich heute zum Westward Inn in Langley, BC.

Der Weg dorthin führt meist entlang stark befahrener Straßen. Die sind teilweise ohne Randstreifen. aAf denen ist es unangenehm gefährlich.

Wo sind die Hunde geblieben? Im Staat Washington gibt einschätzen kaum weniger wie sonst in den USA. Ab und zu bellt auch mal einer aus einem Grundstück. Frei herumlaufen habe ich keinen gesehen und mir ist auch keiner nachgejagt.

Der Grenzübertritt nach Kanada ist problemlos. Eine Erfassung von biometrischen Daten findet nicht statt. Die Einreise wird hier viel lockerer gehandhabt als die in die USA.


Tag 20, 21, 22 und 23: Langley, BC – Burnaby, BC

Dienstag, 31. Juli - Freitag, 03. August 2007; 310 km – bis jetzt: 2.208 km

Am Dienstag will ich einen gemütlichen Tag mit einem kleinen Radausflug machen und zum Flughafen nach Vancouver fahren. Die Distanz dorthin habe ich allerdings völlig unterschätzt, es wurde eine richtige Radtour. Immerhin kenne ich jetzt den Weg zum Flieger und damit nach Hause.

Nur mit einer Straßenkarte ausgerüstet und ohne Kenntnis der Radwege erscheint Vancouver sehr mäßig für Radfahrer ausgebaut. Das ist ein gewaltiger Trugschluss, wie sich noch herausstellen wird. Immerhin bekomme ich heute von einer Radfahrerin den Hinweis, dass es für Vancouver spezielle Radkarten gäbe und diese sogar umsonst seien.

Am Mittwoch ziehe nach Burnaby um und nähere mich dem Flughafen. Die Strecke geht in die Knochen, es ist ein ständiges Auf und Ab mit teilweise enormen Steigungen.

Im Anschluss fahre ich in die Innenstadt von Vancouver zum Kauf von Radkarten. Unterwegs komme ich mit einer Deutschen, die hier lebt, ins Gespräch und die schenkt mir eine Radkarte für die Innenstadt. Im Fahrradgeschäft habe ich mir dann noch eine Karte für die weitere Umgebung gekauft.

Mit diesen Karten wird Vancouver zu einem tollen Fahrraderlebnis. Als Radwege sind meist Nebenstraßen ausgewiesen. Sie sind sehr gut beschildert und voll von Radfahrern. So etwas ist für fast alle deutschen Städte ein unerreichtes Vorbild.


Tag 24 und 25: Burnaby, BC – Richmond, BC

Samstag, Somnntag, 04./05. August 2007; 166 km – insgesamt: 2,374 km

Wegen des bevorstehenden Feiertags am Montag ist das Hotel in Burnaby für die kommenden Tage komplett reserviert und ich muss ausziehen. Ein Ersatzhotel kann man mir nicht nennen und überhaupt sei über diese Feiertage alles ausgebucht.

In der Not habe ich dann die Hotels in Flughafennähe abtelefoniert und bin beim Ramada Inn auch fündig geworden. Dort ist noch ein Zimmer frei, nicht gerade preiswert, aber das ist mir in dieser Situation egal. Ich habe dann meine Sachen zusammengepackt und bin mit Rad und Pack umgezogen.

Den Dienstagnachmittag verbringe ich auf der Halbinsel Iona-Island. Das ist eine schmale Landzunge die etwa 4 km ins Meer ragt. Überraschenderweise ist auch dort das Radfahren erlaubt.

Am Mitwoch ist der letzte Tag zum Radfahren. Ich bereite mich für den Rückflug vor (packen, Frisör etc.) und die noch übrige Zeit vertrödle ich in Richmond.

Die heutige Tour führt mich bei strahlendem Sonnenschein auf Trails und durch Parks entlang der Küste von Lulu-Island . Dann radle ich über Annacis Island nach Delta, BC und von dort wieder entlang der Küste (das Stück ist aber nicht so toll) zur Verladestation für den Shuttle-Transfer durch den George-Massey-Tunnel.

Besonders beeindruckend finde ich die Farben der Natur und der Häuser auf Lulu-Island. Die sind äußerst geschmackvoll aufeinander abgestimmt. Beeindruckend ist auch wie genau Gebote und Verbote hier befolgt werden.


Heimreise und Fa­zit

Delta Airlines verkauft im Flughafen von Vancouver (und wahrscheinlich weltweit) Kartons als Transportverpackung für Fahrräder. Einen solchen Karton will ich mir diesmal besorgen. Aber wie komme ich zum Flughafen und mit dem Karton wieder ins Hotel zurück? In Vancouver natürlich mit dem öffentlichen Nahverkehr. Hin- und Rückfahrt sind mit einem Ticket für 2,25$ bezahlt. Bei jeder Fahrt muss ich nur einmal umsteigen.

Um die Anzahl der Gepäckstücke zu reduzieren habe ich mir einen weiteren Karton besorgt und in diesem die beiden Satteltaschen verpackt. Das Reisen mit den Kartons erregt zwar etwas Aufsehen, erfüllt aber immer seinen Zweck.

Meine beiden Karton und ich werden vom Hotel-Shuttlebus zum Flughafen gebracht. Damit sind alle logistischen Probleme gelöst.

Warum ist die Radtour gescheitert?